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Mein Blog

Oliver Buslau

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Bericht aus dem Inneren des Sinfonieorchesters Bergisch Gladbach
Seit 2013 spiele ich im Sinfonieorchester Bergisch Gladbach Bratsche. Das Orchester besteht zum Großteil aus Amateuren. In diesem Jahr (2018) feiert es seinen 50. Geburtstag. Aus diesem Anlass haben wir einen der bedeutendsten Konzertsäle besucht - die Tonhalle Düsseldorf. Am 12. Mai 2018 spielte das Orchester zum ersten Mal dort. Auf dem Programm standen Werke von Ludwig van Beethoven: das Violinkonzert und die Sinfonie Nr. 7. Für das Bergisch Gladdbacher Online-Portal in-gl.de habe ich einen Artikel über das "Innere" des Orchesters geschrieben - über die Probenarbeit, die Freude an der Klassik, und darüber, was ein Sinfonieorchester eigentlich ist.
Hier geht's zum Artikel.

Warum das in Köln ablehnte Stück von Steve Reich nichts mit "Hurz" zu tun hat

In Köln wurde ein Konzert mit dem Werk "Piano Phase" von Steve Reich gestört, so dass der Interpret das Stück abbrechen muste.
Hier einige Links dazu (Kölner Stadt-Anzeiger und Die Welt):

http://www.ksta.de/kultur/konzert-in-der-koelner-philharmonie-abgebrochen--reden-sie-doch-gefaelligst-deutsch---23646344

http://www.ksta.de/kultur/koelner-toleranz--so-debattiert-das-netz-ueber-das-abgebrochene-philharmonie-konzert-23652182

http://www.welt.de/kultur/buehne-konzert/article152816333/Beispiel-der-Verrohung-heutiger-Konzertbesucher.html
 
Viele haben sich in den Medien darüber zu Recht empört, doch aus einigen Richtungen kam auch Verständnis, weil das Werk angeblich so modern sei (es ist fast 50 Jahre alt), manche verglichen es sogar mit dem berühmten Hape-Kerkeling-Gag "Hurz".


Warum hat Steve Reichs Werk nichts mit "Hurz" zu tun?

Deshalb: Reichs Werk bezieht sich auf ein extrem bekanntes und anerkanntes Werk von Bach (nicht zufällig wurde in Köln Bach UND Reich gespielt), nämlich auf dieses:

Bach wiederholt eine einzige rhythmische Figur, führt sie aber harmonisch weiter, während Reich eine einzige harmonische Figur wiederholt, die er rhythmisch (eben nicht harmonisch) so raffiniert überlagert, dass allein durch diese Mikrokanons neue, bis dato in der Musik nie gehörte rhythmische Strukturen entstehen, die die Form bilden.

(Bei Bach bildet die Harmonik die Form, also das, was sich verändert. Im berühmten Bolero von Ravel - auch so ein Wiederholungsding, bei dem übrigens in der Uraufführung protestiert wurde - ist es die Klangfarbe, also die Instrumentation). Dass die Harmonik bei Reich gewissermaßen atonal ist und fremd klingt, hat darin seinen Grund: Der Genuss bekannter harmonischer Fortschreitungen soll von diesem Konzept eben nicht ablenken (das ist übrigens bei den Minimalisten Glass und Nyman anders, deswegen sind sie populärer, sie "klingen schöner", während Reich eben zum Denken zwingt).

Und wer mit dem Gegensatz "Gefühl" und "Mathematik" kommt: Das Bach-Stück folgt (harmonisch) auch einer rein mathematischen Formel. Die Basslinie schreitet einmal durch den ganzen Oktavbereich, in dem sich die folgenden Präludien und Fugen des Wohltemperierten Klaviers (die Sammlung, die das Präludium einleitet) vollziehen werden. DAS ist klassische Musik. Nicht der Vivaldi-Konsum im Hintergrund beim Italiener ...

Hier auch noch der Link zu Reichs Werk:

https://www.youtube.com/watch?v=7P_9hDzG1i0

Am 20.3. gibts wieder meine Sendung "Klassikwelten", ab 16 Uhr live auf www.secondradio.de, einfach zu hören über die Website!

Dort erfährt man so was ...


Das schlechteste Orchester der Welt - und gleichzeitig eines der genialsten!
War es einfach nur ein konsequent inszenierter Witz, war es ein künstlerisches Happening, mit dem Studenten die Grenzen der Kunst ausloten wollten?

1970 gründete ein Haufen junger Leute in England ein Sinfonieorchester - die „Portsmouth Sinfonia“. OK, das ist noch nichts besonderes, aber jetzt kommts:

Jeder Musiker, jede Musikerin in dem Ensemble hatte ein Instrument zu spielen, das er/sie garantiert nicht (!) beherrschte.

Legten sie es darauf an, das schlechteste (spielfähige) Orchester der Welt zu werden?


Doch dann ging die „Portsmouth Sinfonia“ auf die Bühne, spielte die Fanfare von Strauss’ „Also sprach Zarathustra“, Tschaikowskys „Tanz der Zuckerfee“, Beethovens „Fünfte“ und vieles mehr.

Und: Das Orchester wurde so populär, dass es mehrere Platten aufnahm (darunter eine Hitsingle), dass ein Film entstand - und es spielte sogar in der ehrwürdigen Royal Albert Hall in London.

 

Gestern Abend unterhielten wir uns im Freundeskreis über lustige musikalische Phänomene wie zum Beispiel Florence Foster Jenkins, über die ja auch 2016 ein Film in die Kinos kommen soll. Und da fiel sie mir wieder ein, die legendäre „Portsmouth Sinfonia“, über deren Schallplatte wir uns einst als Studenten amüsierten.


Leider ging die Geschichte dieses Ensembles nach 9 Jahren (1979) zu Ende, aber wir haben ja YouTube, und dort gibt es herrliche Dokumente zu erleben.


Hier eine Linkliste:

Einer der legendärsten Tracks: der Anfang von Strauss’ „Also sprach Zarathustra“.
https://www.youtube.com/watch?v=hpJ6anurfuw

 

Der Schluss aus Rossinis Ouvertüre zu "Wilhelm Tell"
https://www.youtube.com/watch?v=nDZZEfrRbdw

 

Der erste Satz von Beethovens Sinfonie Nr.5:
https://www.youtube.com/watch?v=-JrkFh5ful8


Das gesamte Album: Portsmouth Sinfonia Plays the Popular Classics:
https://www.youtube.com/watch?v=LsFFvthfEZg

Eine kleine dreiteilige Dokumentation über das Konzert in der Royal Albert Hall (mit Interviews der Besucher in der Schlange an der Kasse. Ein älteres Ehepaar scheint nicht zu wissen, worauf es sich einlässt). Ab dem zweiten Teil ist das eigentliche Konzert zu erleben, in dem auch Tschaikowskys erstes Klavierkonzert auf dem Programm stand. Krönendes Ende ist der Halleluja-Chor aus Händels Messias.
https://www.youtube.com/watch?v=dyo-J8omnVo

Der Wikipedia-Artikel (auf englisch):

https://en.wikipedia.org/wiki/Portsmouth_Sinfonia



Premiere! Relaunch! Oder wie man das nennen mag!

Heute, am 9.11., ist endlich meine neue Website online - und das muss ich natürlich gleich mal in diesem Blogbeitrag vermerken! Demnächst gibts hier noch mehr zu lesen. Ihr könnt gespannt sein!